Ethik in der fotografie
Fotografie kann als bildende Kunst betrachtet werden. Aus meiner Sicht ist ihre herausragendste Qualität die Authentizität. Sie ist die Kunstform, die der Realität am nächsten kommen kann, was ihr Alleinstellungsmerkmal ausmacht. Jedoch scheint mit dem Fortschreiten der Technologie, insbesondere durch das Einbinden von künstlicher Intelligenz in Bildverarbeitungsprogrammen, die Authentizität der Fotografie zunehmend zu schwinden.
Wenn der Betrachter nicht mehr in der Lage ist, ein Bild, das unter erheblicher Anstrengung, Geschick und auch etwas Glück aufgenommen wurde, von einem künstlich erzeugten Bild zu unterscheiden, schadet dies der Glaubwürdigkeit der Fotografie und mindert ihren Wert.
Aus diesem Grund möchte ich meine ethischen Prinzipien darlegen, die sich auf die Integrität des fotografischen Prozesses von der Aufnahme bis zur Bearbeitung und dem Druck beziehen. Mein Ansatz basiert auf der Wahrung der Authentizität des Objekts.
Darunter vestehe ich, dass die Echtheit der Fotografie erhalten wird. Das Motiv hat also so zu einem Zeitpunkt in der Realität existiert. Um die Integrität zu erhalten beschränkt sich meine Bildbearbeitung auf die Überwindung technischer Einschränkungen.
Im Folgenden erläutere ich diese technischen Grenzen und wie ich diese handhabe.
Limitierung Sensorauflösung
Bei manchen Bildern, speziell bei Bergbildern, möchte ich die schiere Größe von Gebirgslandschaften möglichst detailreich darstellen. Das erreiche ich durch die Erstellung eines Panoramas.
Im oben gezeigten Beispiel zeige ich wie ich das “Silvretta” Panorama-Bild bearbeitet habe. Es besteht aus fünf Hochformat-Bildern die ich als Panorama zusammengefügt habe. Abschließend habe ich den Kontrast ensprechend eingestellt, sodass das fertige Bild der realen Szene so nah wie möglich kommt.
Limitierung Sensorseitenverhältnis
Meine Kamera hat einen Sensor mit einem Seitenverhältnis von 3:2 verbaut, meine Bilder werden somit nativ immer mit diesem Bildformat aufgenommen. Wenn es besser zur Szene passt oder wenn ich eine Pano erstelle, schneide ich meine Bilder zu.
Im Beispiel oben wirkte die Berglandschaft meiner Auffassung nach im 16:9 Format besser, zudem hab ich noch leichte Kontrastanpassungen vorgenommen um mein gewünschtes Ergebnis zu erreichen.
Kontrolle über Bildästhetik
Kameras und Smartphones verarbeiten Sensordaten in der Regel gemäß vordefinierter Profile, die intern in den Geräten festgelegt sind. Zum Beispiel passt das Gerät automatisch den Kontrast und die Sättigung an, wenn es eine Landschaft erkennt, ohne dass der Benutzer eingreifen muss. Moderne Smartphones gehen sogar so weit, dass sie oft eine Belichtungsserie aufnehmen und diese unterschiedlich belichteten Bilder zu einem HDR (High Dynamic Range) zusammenfügen. Dadurch werden Details sowohl in den Lichtern (sehr hellen Bildteilen) als auch in den Schatten (sehr dunklen Bildteilen) im fertigen Bild erhalten.
Grundsätzlich ist dies kein Nachteil. Ich strebe jedoch danach, die vollständige Kontrolle über meinen gesamten Fotografieprozess zu haben. Angefangen bei der Auswahl der Locations bis hin zur Bildkomposition und abschließenden Bearbeitung der Fotos möchte ich jeden Schritt selbst steuern. Daher nehme ich meine Bilder im RAW-Format auf. Dieses Bildformat enthält sämtliche Daten des Sensors und wirkt daher etwas kontrastärmer. Es ist dafür gedacht, manuell finalisiert zu werden.
Bild links ist das RAW Foto, das Bild rechts ist das fertig bearbeitete Foto. Hier habe ich minimale Kontrast-Einstellungen vorgenommen und das Bild auf 5:7 Hochformat zugeschnitten.
Diese Szene veranschaulicht eindrucksvoll die faszinierenden Farben, die in der Natur existieren. Der Schnee reflektiert das rötlich-blaue Umgebungslicht, was dem Foto eine nahezu surreale Wirkung verleiht.
Beeindruckende Landschaftsbilder, die authentisch wirken, können nicht erzwungen werden, was die Landschaftsfotografie so unberechenbar macht. Diese Unvorhersehbarkeit ist eine der Eigenschaften, die den Wert eines solchen Bildes ausmachen.
Limitierung Dynamikbereich
Das menschliche Auge erfasst in der Regel wesentlich mehr Details sowohl in sehr dunklen als auch in sehr hellen Bereichen einer Szene im Vergleich zu einem Kamerasensor. Der Dynamikbereich des Auges ist folglich größer. Daher wähle ich für meine Landschaftsaufnahmen oft Situationen mit weniger dynamischen Lichtverhältnissen aus. In der Regel genügt mir dann der Dynamikbereich, den mir ein RAW-Dateiformat liefert. Daher passe ich bei der Nachbearbeitung des RAW-Files normalerweise nur die dunklen und hellen Bildbereiche entsprechend der realen Szene an um die Dynamik korrekt einzustellen. Dies wird im folgenden Beispiel verdeutlicht.
Tiefenschärfe
Tiefenschärfe beschreibt, wie viel von einem Bild scharf erscheint. Wenn etwas im Vordergrund scharf ist, aber der Hintergrund unscharf erscheint, hat das Bild eine geringe Tiefenschärfe. Wenn sowohl der Vordergrund als auch der Hintergrund scharf sind, hat das Bild eine hohe Tiefenschärfe.
Die Tiefenschärfe eines Fotos hängt von einigen Faktoren ab, der Abstand zum Objekt und die Brennweite beeinflussen unter anderem, wie viel von einem Bild scharf ist. Generell ist jedoch die Blendenöffnung maßgeblich für die Tiefenschärfe verantwortlich. Die Blendeeinstellung ist eine Einstellung am Objektiv, sie bestimmt wie groß die Öffnung im Objektiv ist, durch die Licht auf den Sensor fällt.
Hierfür gilt: große Blendenöffnung = geringe Tiefenschärfe und kleine Blendenöffnung = hohe Tiefenschärfe.
Tiefenschärfe ist nicht immer eine technische Limitierung, sie kann manchmal auch als gestalterisches Werkzeug eingesetzt werden.
Beispiele für geringe Tiefenschärfe
In der klassischen Landschaftsfotografie wird normalerweise eine hohe Tiefenschärfe angestrebt. Bei Nahaufnahmen bevorzuge ich jedoch oft eine geringere Tiefenschärfe, um das Subjekt aus einer unruhigen Szene hervorzuheben. Bei geringer Tiefenschärfe verwandeln sich Lichtpunkte, wie zum Beispiel der Morgentau, der von der Sonne von hinten angestrahlt wird, in sogenannte Bokeh-Kugeln. Diese habe ich bewusst als künstlerisches Element in meinem Bild des Buschwindröschen eingesetzt. In der Makrofotografie hat man bedingt durch die hohe Vergrößerung immer eine sehr geringe Tiefenschärfe, ich nutze das ofmals um einzelne Frostkristalle freizustellen, was im zweiten Bild “Frostnadel” erkennbar ist.
Beispiele für hohe Tiefenschärfe
Im ersten Bild, "Schneeflocke", habe ich mit einer großen Anzahl von Aufnahmen gearbeitet, wobei jeder eine andere Schärfeposition hatte. Diese Bilder habe ich dann zusammengefügt, um die Schneeflocke als Ganzes scharf darzustellen. Dieser Prozess wird als Focus-Stacking bezeichnet.
Für das zweite Bild, "Eismeer", war ebenfalls eine hohe Tiefenschärfe erforderlich, da der Vordergrund die Betrachter ins Bild führen sollte. Dies erreichte ich einerseits durch eine kleine Blendenöffnung und andererseits ebenfalls durch die Anwendung von Focus-Stacking. Dabei kombinierte ich drei Fotos: eines mit Fokus auf die Eisdurchbrüche im Vordergrund, eines mit Fokus auf die freie Wasserfläche im mittleren Teil des Bildes und eines mit Fokus auf die Berge im Hintergrund.
Abschluss
Die oben genannten Beispiele verdeutlichen, wie und aus welchen Gründen ich meine Bilder nach der Aufnahme digital bearbeite.
Mein Fotografie-Ethik Grundsatz lautet:
Die Integrität des Objekts muss stets durch die Aufrechterhaltung der Authentizität gewahrt werden.
Kurz zusammengefasst:
Meine Bilder werden an realen Orten aufgenommen.
Sie zeigen die Natur in einem realen Moment.
Die digitale Nachbearbeitung meiner Bilder dient dazu, technische Einschränkungen zu überwinden.
Durch die Wahrung der Echtheit bleibt die Authentizität meiner Bilder erhalten.
Meine Bilder wurden weder mit künstlicher Intelligenz erstellt noch wurden sie so bearbeitet, dass sie nicht mehr der realen Situation entsprechen.